Budget 2027/28: Real sinkende Mittel bei steigender Langzeitbeschäftigungslosigkeit, die in der Mitte der Gesellschaft ankommt

16. Juni 2026

Das Doppelbudget 2027/28 entscheidet, ob die aktive Arbeitsmarktpolitik in Österreich verlässlich finanziert bleibt. arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich legt dazu Zahlen, Daten und Fakten vor: Im Mai 2026 waren 102.788 Menschen langzeitbeschäftigungslos, ein Anstieg von 13 Prozent zum Vorjahr. Inflationsbereinigt und gemessen an dieser Entwicklung liegen die realen Pro-Kopf-Mittel der aktiven Arbeitsmarktpolitik auf einem historischen Tiefstand.


Was jetzt auf dem Spiel steht

Kürzungen in den Strukturen der aktiven Arbeitsmarktpolitik bedeuten Kürzungen bei den Sozialen Unternehmen, die bisher genau jene Räume schaffen, die Menschen brauchen, um am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Sie erleichtern den Berufs(wieder-)einstieg, führen mittels Qualifizierungsprogrammen aus der Langzeitbeschäftigungslosigkeit und stärken Menschen darin, ihren Platz in Beschäftigung und Gesellschaft zu finden. Das ist ein soziales und demokratiepolitisches Thema.

Die aktuelle Analyse von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich zum Doppelbudget 2027/28 warnt vor einer kritischen Unterfinanzierung der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Die Aussage zur Stabilität des Budgets in der aktiven Arbeitsmarktpolitik ist einzuordnen und zu hinterfragen, denn das reale Pro-Kopf-Förderbudget befindet sich aufgrund der Inflation und steigender Fallzahlen auf einem historischen Tiefstand. Österreichweit stieg die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen mit Mai 2026 um 13% auf 102.788 Personen an. Diese Entwicklung erreicht zunehmend die Mitte der Gesellschaft: Die Gruppe der Akademiker:innen verzeichnete mit einem Plus von 26,9 % den stärksten Zuwachs aller Bildungsgruppen.


Für das Bundesland Vorarlberg zeigen die aktuellen Zahlen ebenfalls eine deutliche Verschärfung der Langzeitarbeitslosigkeit:


  • Gesamtzahlen: Im Mai 2026 waren in Vorarlberg 2.564 Personen langzeitbeschäftigungslos, was einem massiven Anstieg von +29,6 % gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr (+586 Personen) entspricht.
  • Regionale Verteilung: Am stärksten betroffen ist der Bezirk Bregenz (847 Personen), gefolgt von Dornbirn (793 Personen), Feldkirch (741 Personen) und Bludenz (183 Personen).
  • Akademisierung der Arbeitslosigkeit: Auch in Vorarlberg zeigt sich der Trend zu höherer Bildung unter den Betroffenen deutlich. Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Akademiker:innen stieg von 79 auf 125 Personen an – ein Zuwachs von +58,2 % gegenüber Mai 2025.
  • Altersstruktur: Besonders stark ist der Anstieg bei den über 50-Jährigen, deren Zahl in Vorarlberg innerhalb eines Jahres von 864 auf 1.232 Personen (+368) kletterte.
  • Vermittlungshürden: 40 % der Betroffenen (10.31 Personen) weist keine gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen auf, was den Wandel der Langzeitbeschäftigungslosigkeit weg von einer reinen Randgruppenproblematik unterstreicht.


Angesichts dieser Zahlen warnt arbeit plus vor den langfristigen wirtschaftlichen Folgen von Budgetkürzungen. Ein Abbau von Reintegrationsstrukturen in Sozialen Unternehmen würde nicht nur die Betroffenen hart treffen, sondern der Gesellschaft durch den Verlust an Kaufkraft und Fachkräften später ein Vielfaches kosten.


Weitere Informationen, detaillierte Statistiken und Infografiken finden sich auf der Website von arbeit plus Österreich unter: Doppelbudget 2027/28: Arbeitsmarktpolitik im Realitycheck