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arbeit plus - Soziale Unternehmen Vorarlberg
Langzeitbeschäftigungslosigkeit
Die Corona-Pandemie hat eine noch nie dagewesene Krise am Erwerbsarbeitsmarkt ausgelöst. Im April 2020 waren beinahe 600.000 Menschen ohne Job, so viele wie noch nie zuvor. In weiterer Folge stieg auch die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen dramatisch an: Im April 2021 gab es beinahe 194.000 Langzeitbeschäftigungslose, so viele wie noch nie zuvor.
Nach zwei Jahren Krise entwickelte sich der Arbeitsmarkt ab dem Jahr 2022 wider Erwarten sehr positiv. Die Arbeitslosigkeit hat das Vorkrisenniveau unterschritten, die Beschäftigung steigt und auch die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen hat sich seit dem Höchststand im April 2021 beinahe halbiert. Das ist neben der guten Konjunktur auch den Sonderprogrammen der Bundesregierung, insbesondere der Aktion Sprungbrett geschuldet.
Nichtsdestotrotz ist die Langzeitbeschäftigungslosigkeit immer noch deutlich höher als vor 10 Jahren. Die Gefahr verfestigter Arbeitslosigkeit besteht insbesondere für Menschen, die in vielerlei Hinsicht marginalisiert werden: Ältere, Migrant:innen oder Menschen mit niedriger formaler Bildung. Langzeitbeschäftigungslosigkeit, also lange andauernde Erwerbsarbeitslosigkeit, hat gravierende Folgen: Für die Betroffenen bedeutet sie Unsicherheit, finanzielle Einbußen und psychische Belastungen. Gesamtgesellschaftlich besteht die Gefahr von Exklusion einer immer größer werdenden Anzahl von Menschen, die sozial- und demokratiepolitisch problematisch ist. Langzeitbeschäftigungslose dürfen in der Arbeitsmarktpolitik auch nach der Krise nicht vergessen werden. Die Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit wird eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre sein.
Um Langzeitbeschäftigungslosigkeit nachhaltig zu verringern und in Zukunft zu verhindern, braucht es gezielte politische Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Gestaltung eines inklusiven Erwerbsarbeitsmarkts beitragen. Dazu zählt neben Beratung und Qualifizierung in Zukunftsbranchen insbesondere kluge, dauerhafte, geförderte Beschäftigung für Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keinen Job finden. Trotz der hohen Erwerbsarbeitslosigkeit und Langzeitbeschäftigungslosigkeit gibt es viel gesellschaftlich wichtige Arbeit, die nicht oder zu wenig gemacht wird, etwa im Bereich der Pflege oder der regionalen Infrastruktur. Diese Schieflage zu beenden muss sich die Politik zur Aufgabe machen.
Die Erfahrungen der Sozialen Unternehmen bieten dafür Inspiration: Seit mehr als 35 Jahren begleiten Sozialen Unternehmen Menschen mit Beratung, Qualifizierung und Beschäftigung auf ihrem Weg zurück in den Erwerbsarbeitsmarkt. Sie stärken bei den von ihnen begleiteten Menschen Wissen, Kompetenzen und Selbstwirksamkeit und tragen durch ihre gelebte Praxis bei zum notwendigen Strukturwandel der Erwerbsarbeit. Das primäre Ziel der Arbeitsmarktpolitik
muss es sein, allen Menschen gute Arbeit zu ermöglichen. Dafür braucht es Kooperationen zwischen Politikbereichen und mit der Zivilgesellschaft, um gemeinsam mutige und innovative Ideen zu finden und umzusetzen.
Themenpapier arbeit plus 3/2024: Langzeitbeschäftigungslosigkeit


