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arbeit plus - Soziale Unternehmen Vorarlberg
Die Stille Reserve in Österreich - Problemlagen und Potentiale einer wenig beachteten Gruppe am Arbeitsmarkt
Seit dem Ende der Pandemie ist der Arbeitsmarkt im Umbruch. Obwohl Österreich sich zu Jahres ende 2023 in einer Rezession befand, ist die Arbeitslosigkeit mit 8,1% im Jänner 2024 weiterhin vergleichsweise niedrig (AMS, 2024). Zahlreiche Unternehmen melden Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. In vielen Branchen – insbesondere im Tourismus, aber auch in der Produktion und im Gesundheitswesen – gibt es einen Arbeitskräftemangel, und Unternehmen verzeichnen Produktionseinbußen aufgrund von Personalmangel (Agenda Austria, 2023; Szigetvari, 2023, 2024).
Gleichzeitig gelten immer noch rund 78.000 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose, d.h. beinahe ein Viertel aller arbeitslosen Menschen ist bereits seit mehr als einem Jahr ohne Job (AMS, 2023). Zusätzlich beobachten die Sozialen Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus, dass manche Menschen sich ganz aus dem Erwerbsleben zurückziehen und auch die Angebote des AMS nicht mehr in Anspruch nehmen (wollen). Die Statistik Austria schätzt die Zahl der sogenannten „Stillen Reserve“, also Personen, die grundsätzlich erwerbstätig sein möchten, derzeit aber weder am Erwerbsarbeitsmarkt noch beim AMS aufscheinen, in Summe auf rund 150.000 Menschen (Statistik Austria, 2023). Es gibt also insgesamt weiterhin ein großes Potential an Arbeitskräften, das mit zielgerichteten Angeboten gehoben werden könnte.
Die Sozialen Unternehmen können einen Beitrag dazu leisten, arbeitsmarktferne und entmutigte Menschen wieder anzusprechen und in den Erwerbsarbeitsmarkt einzubinden. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels muss die Arbeitsmarktpolitik breit ansetzen, um Potentiale von Menschen zu nutzen. Dieses Positionspapier gibt einen Überblick zur Daten‐ und Literaturlage und greift die Erfahrungen aus dem Netzwerk von arbeit plus auf, um Anknüpfungspunkte aufzudecken und Lösungswege zu identifizieren (als Ausgangspunkt siehe auch Moder & Theurl, 2023).
Themenpapier arbeit plus 4/2024


